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Arbeitsstand: 9. April 2015

Ein Leben für die Schüler und die Schule

Biografische Notizen und Dokumente zum Leben des Lehrers Fritz Niefindt

Zusammengetragen von Herrn Rainer Niefindt und hier vorgestellt von Andreas Martinköwitz

Im September 2014 erreichte unsere Schule ein freundliche E-Mail. Ein Herr Rainer Niefindt wies uns darauf hin, dass die Angaben in der Tabelle zu den Lehrern in Grüntal auf der Seite Schulhistorisches aus Grüntal und Sydow einige Fehler enthielt. So waren die Dienstzeiten des einen zu lang und ein anderer Lehrer - Herr Fritz Niefindt (*28.5.1900  †22.11.1945), Vater des Mailschreibers - würde in der Aufstellung vollkommen fehlen. Dabei sei dieser doch nachweislich schon seit 1. Oktober 1933 in Grüntal mit der zweiten Lehrerstelle betraut. Und da wir als Schule freundlich antworteten, ergab sich in den folgenden Monaten ein "kleiner Schriftverkehr": Viele interessante Belege und Dokumente trafen digital aufbereitet unter unserer E-Mail-Adresse ein. Dies wollen wir zum Anlass nehmen, das Wirken des Lehrers Niefindt mit dieser Seite zu würdigen.

Die gesamte Biografie - mit interessanten Bezügen in die Jetztzeit - Fritz Karl Paul Niefindt Ein Lebensbericht, aufgeschrieben von Rainer Niefindt als.pdf-Dokument.

Beginnen wir mit der näheren Betrachtung: Neben dem undatierten Bild können wir auf dem Brief aus dem Regierungspräsidium in Potsdam mit Datum vom 2. September 1933, adressiert an Lehrer Herrn Fritz Niefindt in Brandenburg lesen:
"Die zweite Lehrerstelle an der evangelischen Volksschule in Grünthal Schulaufsichtskreis Niederbarnim-Süd wird Ihnen vom 1. Oktober 1933 ab übertragen. ... Sie haben rechtzeitig dem Herrn Schulrat ... Ihren Dienstantritt zu melden und sich tunlichst bald dem Herrn Vorsitzenden des Schulvorstandes vorzustellen. Die Aushändigung der Bestallung wird der Herr Schulrat veranlassen. Die Umzugskosten haben Sie selbst zu tragen."

'Herr Vorsitzender des Schulvorstandes': mutmaßlich ist damit der "Erste Lehrer" gemeint, Herr Sägebarth

'Bestallung': gemeint ist allgemein die Einsetzung in ein Amt, auch die Anstellung eines Beamten

'Grünthal' oder Grüntal: beide Schreibweisen existierten lange Zeit parallel - mindestens noch in den Vierzigern des 20. Jahrhunderts, noch Ende der 90er Jahre konnte man auf einem Richtungsstraßenschild in Tuchen "Grünthal" lesen...

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Die obigen Fotos zeigen Herrn Fritz Niefindt mit Grüntalern Schülern. Der Brief vom 17.(?) August - mit weiteren Datumsangaben, die auf unterschiedliche Bearbeiter und Genehmiger schließen lassen (18.8., 19.8.) - und dem Vermerk verschickt wurde, dass diese Angelegenheit bis zum 22.8. zu erledigen sei, ging dem darüber liegenden Brief voraus: Es ist die "Politische Gleichschaltung" (externer Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichschaltung) und die Annahme derselben ermöglicht den beruflichen Neuanfang nach der Suspendierung von der Arbeit an der "Weltlichen Schule" in Brandenburg (Stadt), die mit Beschluss vom 20. März 1933 aus politischen Gründen aufgelöst worden war.

Beschäftigen wir uns nun mit der Frage, wie Herr Niefindt Lehrer wurde. Ich zitiere - mit Erlaubnis des Autoren - aus dem Lebensbericht, den Herr Rainer Niefindt über seinen Vater verfasst hat:

"Am 15.3.1916 wird dem Schüler Fritz Niefindt von der Realschule in Havelberg das Zeugnis über die “wissenschaftliche Befähigung für den einjährigen freiwilligen Dienst“ ausgestellt. Fritz Niefindt nahm am Ende des 1.Weltkrieges noch an Kriegshandlungen teil (21.6.-29.9.1918). Es folgte eine Lehrerausbildung am Seminar in Havelberg, die er dort am 18.3.1921 mit der 1.Lehrerprüfung beendete. ... In den Jahren der Rezession wurden keine Lehrer eingestellt. Deshalb schlug er sich in den 1920er Jahren recht und schlecht mit vielen Kurzarbeitsstellen, z. B. als Hauslehrer, Buchhalter oder Büroangestellter in Berlin durch und nahm Wohnung in der  Lentze-Allee 22. Förderlich für die genannten Beschäftigungen war der abendliche Besuch von Kursen an der Handelshochschule Berlin, immatrikuliert am 4.11.1922, eingeschrieben bis zum Wintersemester 23/24. ... Im September1926 erhielt er überraschend ein Angebot aus Brandenburg, welches er begeistert annahm. Für den verstorbenen Konrektor Paul Müller aus der evangelischen Volksschule=Nicolaischule wurde ein Ersatz gesucht. Quartier nahm er nahe der Schule in der Harlunger Straße 46. Noch im gleichen Monat wurde er vereidigt. Im Frühjahr des nächsten Jahres, am 26.3. 1927, erhielt Fritz Niefindt die Berufung als Deutsch- und Geschichtslehrer für die zu Ostern zu gründende Sammelschule=Weltliche Schule der Stadt. Das Schulgebäude befindet sich noch heute auf dem Katharinenkirchplatz Nr. 5. ... Die 2. Lehrerprüfung und damit die Befähigung zur endgültigen Anstellung als Lehrer an Volksschulen in Preußen bestand er am 6.9.1929 in dieser Schule mit „sehr gut“."

Einer der Prüfer war Herr Otto Bernhard Wendler, Rektor der Weltlichen Schule. Zwischen beiden entwickelte sich eine wichtige Freundschaft.

"O. B. Wendler muss ein bemerkenswerter Mann gewesen sein, ein Schulleiter zu dem alle Lehrkräfte Vertrauen hatten, aber auch Respekt zeigten. Nebenbei schrieb er ca. 60 Bücher, mehrere Drehbücher, inszenierte zu Weihnachten die beliebten Stehgreifspiele mit seinen Schülern im Brandenburger Theater, war eine SPD-Größe, Antifaschist und bekleidete nach 1945 wichtige Posten in Sachsen-Anhalt, z.B. im Schulwesen und im Schriftstellerverband der DDR. O.B.W. hat die Familie Niefindt stets unterstützt. " (vgl. auch: externer Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Bernhard_Wendler)

Externe Links:
Heutige Nicolaischule in Brandenburg: http://www.nicolaischule-brandenburg.de/

Schulgebäude am Katharinenkirchplatz 5, heute Standesamt der Stadt Brandenburg: http://www.stadt-brandenburg.de/leben/buerger/familie/familie-gruenden/katharinenkicrhplatz/?sword_list[]=standesamt&no_cache=1

Schauen wir auf die übermittelten Dokumente:


Lehrer Niefindt wurde ein echter Grüntaler - und übernahm neben der Arbeit als Lehrer weitere Aufgaben: Folgendes Dokument bestätigt die Übernahme des Kassenwartes der Gemeinde im Jahre 1936. Aus dem rechts daneben abgebildeten Dokument, der Gehaltsbescheinigung vom 1. September 1944, geht u. a. hervor, dass Lehrer Niedindt wieder in die Wehrmacht einberufen worden war. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings kein Grüntaler Lehrer mehr - schon seit 1939, der ersten Einberufung bzw. spätestens ab 1940 nach einer Abordnung hatte zwar die Familie Niefindt zumindest zeitweise ihren Lebensmittelpunkt in Grüntal, Fritz Niefindt aber nicht mehr. Im Anschluss an die Dokumente berichtet wieder Rainer Niefindt, wie es dazu kam. Der Text ist - mit dem Ziel des besseren Verständnis für uns Heutige - mit vielen Links zum Online-Nachschlagewerk Wikipedia (externer Link: Wikipedia, deutsch - https://de.wikipedia.org) versehen.

"Am 28.8.1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und machte als Sanitäter den Polenfeldzug (externer Link: Polenfeldzug - https://de.wikipedia.org/wiki/Polenfeldzug) mit. Am 30.12. 1939 endete die Soldatenzeit, weil er der einzige männliche Namensträger der Familie war. 1940 wurden für die neuen Reichsgaue (externer Link: Reichsgau -  https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsgau) im Osten Lehrer benötigt. Darum sind vor allem an Dorfschulen die  2. Lehrerstellen gestrichen worden. So auch in Grüntal. Fritz Niefindt erhielt die Abordnung nach Budschkowitz in Oberschlesien (externer Link: Oberschlesien -  https://de.wikipedia.org/wiki/Oberschlesien).  Normalerweise wurden nur Unverheiratete abgeordnet!  Trotz Protest, auch unter Hinweis auf vorhandene Kinder, musste er sich fügen. 1942 wurde die Abordnung in eine Versetzung umgewandelt, neuer Dienstort wurde Alzen (heute: Hałcnów) bei Bielitz (heute Bielsko-Biala mit ca. 180 000 Einwohnern - externer Link: Bielsko Biala - https://de.wikipedia.org/wiki/Bielsko-Bia%C5%82a).  Die Verhältnisse schienen nun unumkehrbar. Die  2. Lehrerstelle in Grüntal blieb weiter unbesetzt. Die Familie schaffte sich in Alzen eine Nebenwohnung an und lebte in folgender Zeit teils in Alzen mit dem Vater, teils in Grüntal ohne Vater. ... Im August 1944 muss der Lehrer seine Turnschuhe mit Soldatenstiefeln tauschen, ... Fritz Niefindt  musste sich am 30.8.1944, 44 Jahre alt, Feldpostnummer 20596, in Wilhelmshafen zum Dienstantritt bei der Marine melden, kam allerdings in die 1. Sanitätskompanie 168, dann in die 868. Später wurde die graue mit der blauen Uniform gewechselt und er diente als Marineartillerist (externer Link: Marineartillerie - https://de.wikipedia.org/wiki/Marineartillerie) im Dienstgrad eines Gefreiten (externer Link: Gefreiter - https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht) bei der 2. und 14. Marine-Ersatz-Abteilung bis zur Kapitulation in Hamburg. Grüntal sollte er nicht wiedersehen. Am 9.8.1945 wurde er aus englischer Kriegsgefangenschaft  wegen seines schlechten Gesundheitszustandes entlassen und machte sich zu Fuß auf den Weg Richtung Osten. ... Am 3.11.1945, einen Tag vor Charlottes (seiner Ehefrau) 40. Geburtstag,  erreichte Fritz die Stadt Brandenburg. (Seine Frau war mit den drei Kindern im April 1945 aus Grüntal vor den heranrückenden Kriegsereignissen zu ihren Eltern geflohen.) ... Die Freude über die Heimkehr des, wie man damals sagte, Ernährers der Familie war unbeschreiblich und das schönste Geburtstagsgeschenk. Er schrieb sofort Gesuche mit der Bitte um Anstellung in den Schuldienst, sein alter Freund Otto Bernhard Wendler (externer Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Bernhard_Wendler) wollte sich für ihn einsetzen. Sein Körper jedoch blieb ausgemergelt und krank, er wurde wegen des mangelhaften Gesundheitszustandes vom Pflicht-Arbeitsdienst befreit. Am 22. 11.1945 schloss er ..., um 23:30 für immer die Augen. Als Todesursache wurde Magenbluten festgestellt. Am 28. November 1945 wurde er in einem Reihengrab auf dem Neustädtischen Friedhof  in Brandenburg beigesetzt. Er war einer von 5438 Menschen, die 1945 in der Stadt verstorben sind!" 

Im Namen der Grundschule Grüntal danke ich für die freundlichen Hinweise und die Überlassung der Dokumente recht herzlich.
Andreas Martinköwitz

Die gesamte Biografie - mit interessanten Bezügen in die Jetztzeit - Fritz Karl Paul Niefindt Ein Lebensbericht, aufgeschrieben von Rainer Niefindt als.pdf-Dokument.